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Late Talker - warum du nicht einfach abwarten und schauen solltest

Aktualisiert: Aug 26

"Mein Kind hat auch erst mit 3 Jahren angefangen und jetzt spricht sie wie ein Wasserfall." , "Jungs reden einfach später als Mädchen!" , " Warte ab, das wird schon!", „Das wächst sich aus...“, „Er mag halt nicht.", "Sie ist einfach sprechfaul...“


Eltern deren Kinder spät zu sprechen beginnen, hören solche und ähnliche Sätze häufig.

Es sind Ratschläge, die besorgte Eltern trösten sollen. Mittlerweile wissen wir jedoch, dass Defizite in der frühen #Sprachentwicklung nach dem 3. Lebensjahr nur schwer aufgeholt werden.


Was ist ein Late Talker?

Der Begriff #LateTalker kommt aus dem Englischen und bedeutet „Später Sprecher“. Spätsprechende Kinder zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Alter von 24 Lebensmonaten keine 50 Wörter sprechen und keine Wörter miteinander kombinieren (z.B. „Mama weg!“). Rund 20% aller Zweijährigen haben einen verlangsamten Spracherwerb ohne erkennbare Ursache, dabei sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen.


Die Ursache für dieses Zurückbleiben in der Sprachentwicklung ist meist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, denn ein Late Talker zeigt keinerlei Auffälligkeiten in anderen Entwicklungsbereichen (intaktes Hörvermögen, unauffällige Kognition, Motorik, Psycho-soziale Entwicklung etc.). 


Wie entwickeln sich Late Talker? Wie ist die Prognose?

1/3 der Late Talker holt bis zum dritten Geburtstag ihren sprachlichen Rückschritt auf. Diese Kinder werden „Late Bloomer“ („Späte Erblüher“ = Spätentwickler) genannt.


Aber was passiert mit den anderen 50-70% der Kinder?


Einem weiteren Drittel gelingt das Aufholen bis zum 3. Geburtstag nur scheinbar. Diese Kinder zeigen ab 3 Jahren zwar altersentsprechende sprachliche Leistungen im Wortschatz, werden aber zumeist im Vorschulalter wieder auffällig, wenn es darum geht, die Lautstruktur der gesprochenen Sprache zu erkennen (Phonologische Bewusstheit). Sie haben auch häufig Aussprachestörungen und später Probleme im Schreiben- und Lesenlernen.


Bei einem weiteren Drittel manifestiert sich die Sprachentwicklungsverzögerung , sodass ab dem Alter von 36 Lebensmonaten eine Sprachentwicklungsstörung diagnostiziert werden kann. Die betroffenen Kinder haben dann ab dem Alter von 3 Jahren weiterhin Schwierigkeiten einen differenzierten Wortschatz aufzubauen und zeigen Probleme beim Erlernen der Grammatik. Es kommt beispielsweise zu Verdrehungen im Satzbau, grammatikalische Wortarten und Wortendungen fehlen und Genus sowie Kasus sind fehlerhaft (z.B. der/die/das, auf/unter, geh-st, Fisch-e) etc. Zudem können Schwierigkeiten in der Aussprache bestehen. All das schränkt die Kommunikation im Alltag ein. 


Warum du nicht abwarten und schauen solltest!

Viel zu häufig hören Eltern den Rat: wait and see. Aber die Wahrheit ist - und das zeigen Forschung & Praxis seit langem: nur wenn du deinem Kind früh Hilfe zukommen lässt, hilfst du ihm seine Chancen auszuschöpfen. Es gilt: Je früher und qualifizierter die Beurteilung, Sprachtherapie oder Förderung bei deinem Kind einsetzt, umso größer sind seine Chancen, den Rückstand aufzuholen!


Sprachentwicklungsstörungen werden nach dem 3. Lebensjahr leider nur noch schwer aufgeholt und haben negative Auswirkungen auf die psychosoziale Situation und den Schriftspracherwerb des Kindes.


Zahlreiche Studien belegen, dass Sprachentwicklungsprobleme häufig Folge einer genetischen Veranlagung sind. Dennoch haben sich deutliche positive Effekte gezielter Sprachanregung durch die Eltern nachweisen lassen. Für alle Late Talker ist deshalb eine Sprachförderung im familiären Alltag von großer Bedeutung!


Erwachsene passen ihre Sprache zumeist intuitiv dem Kind an und helfen ihm damit beim Sprechenlernen. Gerade bei Familien, deren Kind sprachauffällig ist, neigen Eltern allerdings dazu, diese natürliche Sprachanregung unbewusst so zu verändern, dass die Kommunikation mit dem Kind nicht mehr effektiv ist. So entsteht ein Ungleichgewicht in der Kommunikation; Eltern sprechen zu wenig oder zu viel und die Kinder sind zumeist nur „Empfänger“. Das Sprechenlernen ist jedoch ein aktiver Prozess, der das aktive Kommunizieren des Kindes erfordert.


Warte also nicht einfach ab, sondern nehme einen verspäteten Sprachbeginn und langsamen Wortschatzzuwachs ernst! Ab dem 2. Geburtstag - sogar früher - kann eine Sprachentwicklungsverzögerung fundiert festgestellt und die Sprache unterstützt werden!


Gibt es einen "Late Talker-Test"?

Ja, zweijährige Kinder können mit Hilfe standardisierter Testverfahren auf ihre Sprachentwicklung hin untersucht werden. Als Logopädin kann ich im Detail den Wortschatz, die Grammatik, die Aussprache, die pragmatischen Fähigkeiten, das Sprachverständnis, aber auch die allgemeinen Kommunikationsfähigkeiten, das Spielverhalten und das Symbolverständnis Deines Kindes untersuchen. Erst danach wirst du wissen, wie die sprachlichen Fähigkeiten deines Kindes im Detail entwickelt sind und worin genau die Schwierigkeiten - aber auch die Stärken bestehen. Das heißt nicht unbedingt, dass Sprachtherapie bzw. Logopädie erforderlich ist! Manchmal reicht es aus, in kurzen Abständen ("watchful waiting") den weiteren Sprachentwicklungsverlauf deines Kindes zu beobachten und DICH anzuleiten, dein Kind im Alltag sprachlich adäquat zu unterstützen. 


"Ich mache mir Sorgen, was kann ich tun?"

Innerhalb der U7/U7a zwischen dem 20. - 24. Lebensmonat richtet der #Kinderarzt normalerweise seinen Fokus auf die kindlichen Sprachfähigkeiten. Bringe bei dieser Untersuchung Deine Sorge zum Ausdruck. Dies kannst du natürlich auch unabhängig von der #U7 jederzeit bei deinem Kinderarzt tun. Du kennst dein Kind am Besten und solltest handeln, wenn du in Sorge bist! Kinder wollen sprechen, denn Kommunikation ist ein Grundbedürfnis! Spricht Dein Kind im Alter von 2 Jahren (noch) nicht oder ist die Aussprache mit 3 Jahren stark unverständlich? Dann solltest du Dein Kind beim Sprechen lernen unterstützen! 


Machst du dir Sorgen um die Sprachentwicklung deines Kindes oder suchst Rat? Willst du wissen, wie Du dein Kind zum Sprechen motivieren und die Sprachentwicklung fördern kannst? Im Online-Video-Kurs "Zeig mir wie ich sprechen kann" lernst du, wie du eine sprachförderliche Umgebung zu Hause schaffst und mittels wissenschaftlich belegter Sprachlehrstrategien die Sprachentwicklung deines Kindes förderst!

Oder komm` in meine Online-Sprechstunde, lass´ dich beraten und hole dir wertvolle Anregungen! Im Rahmen des Coaching-Komfort erstellen wir u.a. ein individuelles Profil bzgl. der Kommunikation deines Kindes und schauen uns Euer Interaktionsverhalten an. Du erhälst fundiertes Wissen und konkrete Hilfestellungen, wie du im Alltag die Sprache deines Kindes effektiv unterstützen kannst.



Ginsburg, J. (2018): Why we shouldn't "wait and see" with Late Talking Toddlers.


Ellis EM & Thal, DJ. (2008): Early language delay and risk for language impairment. Prospect lang learn ed. 15 (3): 93-100.


Schlesiger, C. & Mühlhaus, M. (2011): Late talker: Späte Sprecher – Wenn zweijährige Kinder noch nicht sprechen. Ein Ratgeber für Eltern sowie Sprachtherapeuten, Ärzte und Erzieher. Idstein: Schulz-Kirchner.


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