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Stottert mein Kind?

Aktualisiert: Okt 6

„Ich, ich hab – ich hab den Ball!“, „Mein – mein – meine Jacke ist auch blau“ oder „Kann ich den – den – äh – den Luftballon haben?“ Kommt Ihnen das bekannt vor?

Das Wichtigste vorab - keine Panik! Ein gewisses Maß an Unflüssigkeiten gehört natürlicherweise zum Sprechen dazu.

Was sind Sprechunflüssigkeiten und warum treten Sie bei Kindern auf?


Ist stottern bei Kleinkindern normal?

Viele Kinder zeigen zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrer Entwicklung Sprechunflüssigkeiten. Diese entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten bestehen aus Wiederholungen von Wörtern oder Satzteilen, wobei das Sprechen ohne Anzeichen von Anspannung oder Anstrengung geschieht. Sie treten normalerweise im Alter zwischen 2½ und 6 Jahren auf und nehmen dann wieder ab.


Wissenschaftler vermuten, dass diese Pausen, Wiederholungen und Umstellungen, Ausdruck eines Lernprozesses sind und solange auftreten, bis das Sprechsystem für die neue Anforderung ausreichend automatisiert ist. Im Alter zwischen ca. zwei und fünf Jahren passiert sprachlich eine Menge. Die Kinder lernen täglich neue Dinge, die sie integrieren müssen, und das gelingt nicht immer auf Anhieb. Sie müssen noch oft in ihrem Wortschatz nach dem passenden Wort suchen, tasten sich an die richtige Sprechbewegung heran oder bemühen sich um die richtige grammatische Form. Während dieser Suchprozesse kommt es vermehrt zu Wiederholungen, Pausen oder Umstellungen.


Stottern - was ist das?


Unflüssigkeiten, die beim Stottern zu beobachten sind, besitzen eine andere Qualität & Häufigkeit als entwicklungsbedingte Unflüssigkeiten! Beim Stottern werden vor allem einzelne Laute und Silben wiederholt, gedehnt oder die Atmung & Stimmgebung blockiert, z.B.:

  • Wiederholung: „P-p-p-p-puppe“, „Ka-ka-ka-ka-kater

  • Dehnungen: „Mmmmmmaus“, „iiiiiich“

  • Blockaden mit Stopp der Sprechbewegung und Atmung: „Gar----ten“, „----Kiste“

  • Oft vermischen sich die Symptome, z. B. Blockaden mit Wiederholungen („I----------i-i-i-ich k-k-k-omme mit“)

#Stottern wird oft von einer Begleitsymptomatik wie körperlichen Mitbewegungen, mimischer Anstrengung, eine veränderte Atmung & Stimmgebung begleitet. Stotternde versuchen ihre Unflüssigkeiten zu vermeiden. Hierbei verwenden sie z.B. Füllwörter und Starter (äh, ähm ...), erhöhen ihr Sprechtempo, tauschen einzelne Wörtern aus oder umschreiben sie, stellen Sätze um oder brechen sie ab, um Stotterereignisse zu umgehen. Stottern ist anstrengend, entzieht sich der Kontrolle des Kindes und erschwert die Kommunikation erheblich!


Leider werden Eltern oft mit der Aussage vertröstet, es handele sich um ein „Entwicklungsstottern“. Nach aktueller Forschungslage existiert jedoch kein Entwicklungsstottern! Treten Sprechunflüssigkeiten beim Kind in einer bestimmten Qualität & Häufigkeit auf, so handelt es sich zunächst immer um Stottern. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es sich manifestiert oder nicht.

Stottern bei Kindern- Ursachen und Mythen


Wann beginnen Kinder zu Stottern?

Etwa 5 % aller Kinder beginnen bis zum 6. Lebensjahr zu stottern, vereinzelt ist auch ein späteres Auftreten möglich. In einer Gruppe von 20 Kindern betrifft dies also ein Kind. Bei ca. 1% der Kinder bleibt das Stottern bis ins Erwachsenenalter bestehen. In Deutschland leben also ca. 800 000 Menschen, die stottern. Männer sind 4-mal häufiger betroffen als Frauen. Stärke und Art des Stottern kann je nach Gesprächssituation, z. B. mit verschiedenen Gesprächspartnern oder in der Unterhaltung mit einer oder mehreren Personen variieren.


Was löst Stottern aus? Warum stottern Kinder?

Weder das elterliche Verhalten noch ein Trauma sind die Ursache für das Stottern!

Bei der Entstehung von Stottern treffen mehrere Risikofaktoren zusammen. Es setzt sich aus verschiedenen neurologischen, erblichen, sprachlichen, motorischen & psychosozialen Faktoren zusammen. Schließlich kommen noch Umwelteinflüsse hinzu, die als aufrechterhaltende Faktoren auf das Stottern einwirken, z. B. zu hohe Anforderungen an das Kind & ungünstige Kommunikationssituationen.


Ist Stottern heilbar?

Wie sich Stottern entwickelt, ist nicht vorhersagbar und im Einzelfall sehr unterschiedlich. Nach der Pubertät ist eine Heilung jedoch unwahrscheinlich. Je früher Stottern (ersten beiden Jahre nach Beginn) diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die Aussichten auf eine Heilung!

Stottern und Intelligenz

Nein, Stotterer sind nicht dumm oder emotional gestört! Aber Stottern lässt kommunikative Situationen schwieriger werden (Anstrengung beim Sprechen, erschwerte Verständlichkeit) und damit kann es das Selbstbild, das Verhalten und den Lebensweg der Betroffenen verändern (Sprechangst, Scham, Frustration, Selbstabwertung, Vermeiden bestimmter Situationen, Einschränkungen im sozialen Bereich).

Stottern bei Kindern - Therapie und Tipps für Eltern

  1. Sollten Sie das Gefühl haben Ihr Kind unflüssig spricht, holen Sie sich so früh wie möglich professionelle Hilfe! Je früher eine qualifizierte Therapie einsetzt, umso größer ist die Chance, dass eine negative Entwicklung mit Folgesymptomen verhindert werden kann.

  2. Eltern können auf aufrechterhaltende Faktoren des Stotterns Einfluss nehmen. Sind stotternde Kinder negativen Bedingungen ausgesetzt, kann dies ihr Stottern dauerhaft aufrechterhalten. Welche Situationen und Verhaltensweisen die Stottersymptomatik erhalten und wie man diese Verändern kann, können Familien stotternder Kinder gemeinsam mit einer Therapeutin erforschen.

  3. Versuchen Sie ungünstige Kommunikationssituation, z.B. eine laute Sprechumgebung, Zeit- und Konkurrenzdruck (z. B. durch Geschwister), zu hohe sprachliche Anforderungen, Druck, Tadel & Hänseleien zu vermeiden.

  4. Seien sie sprachförderlich; z.B. selbst langsam sprechen, Blickkontakt halten, geduldig zuhören, ausreden lassen, nicht unterbrechen, dem Gesagten nichts vorwegnehmen.

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