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Late Talker - Was tun, wenn mein Kind nicht spricht?

Aktualisiert: 16. Mai 2023

„Mein Kind spricht nicht, versteht aber alles.“

„Jungs reden einfach später als Mädchen.“

„Warte ab, das wächst sich bestimmt aus.“

„Er will einfach nicht sprechen.“

„Sie ist sprechfaul.“


Kommen dir diese Sätze bekannt vor? Eltern von Late Talkern bekommen diese Sätze häufig gesagt. Du solltest jedoch KEINESFALLS einfach abwarten, wenn dein Kind nicht spricht. Denn mittlerweile wissen wir, dass Sprachverzögerungen ab einem Alter von 3 Jahren nur schwer wieder aufgeholt werden können. Sie haben zahlreiche negative Auswirkungen auf die gesamte kindliche Entwicklung.


Was also kannst du als Elternteil tun, wenn dein Kind im Alter von 2, 3 oder 4 Jahren immer noch nicht spricht? Diese und weitere Fragen beantworte ich dir in diesem Artikel:


- Late Talker: Was bedeutet das?

- Late Talker Ursachen: Warum spricht mein Kind nicht?

- Gibt es einen Late Talker Test?

- Wann wird mein Late Talker anfangen zu sprechen?

- Brauchen Late Talker eine Therapie?

- Wie kann ich meinen Late Talker zuhause fördern?


Late Talker: Was bedeutet das? Was sind die Symptome?

Als Late Talker (deutsch: späte Sprecher) werden Kinder bezeichnet, die mit 2 Jahren noch keine 50 Wörter sprechen und Wörter nicht miteinander kombinieren können.


Rund 20 % aller Zweijährigen sind Late Talker. Jungen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Meistens fallen die Kinder bereits vor dem zweiten Geburtstag auf. Die meisten Kinder beginnen mit 1 Jahr, erste Wörter zu sprechen. Late Talker hingegen sprechen wesentlich später und lernen nur sehr langsam oder gar keine neuen Wörter dazu.


Meistens versteht das Kind die Erwachsenen gut, redet aber selbst nicht. Stattdessen verständigt es sich überwiegend über Geräusche, kindliche Laute und Zeigen.


Late Talker Ursachen: Warum spricht mein Kind nicht?

Die Ursachen für eine Sprachentwicklungsverzögerung sind noch nicht abschließend geklärt. Oft lassen sich keine Gründe ermitteln, es gibt aber verschiedene Ansätze:


Ist mein Kind normal entwickelt?


Late Talker zeigen weder Einschränkungen in der Intelligenz noch eine Hochbegabung. Sie können Sprache weniger gut verarbeiten. Eine verzögerte Sprachentwicklung kann aber auch ein Zeichen für eine allgemeine Entwicklungsverzögerung, Hörstörung oder andere Grunderkrankung sein. Um das auszuschließen, solltest du frühzeitig mit deiner Kinderärztin sprechen. In der Regel entwickeln sich Late Talker in anderen Bereichen, wie der Motorik, normal. Häufig wird spätes Sprechen mit Autismus in Verbindung gebracht, allerdings muss man hier klar abgrenzen.


Hört mein Kind nicht richtig?


Meist liegen bei Late Talkern keine Hörstörungen vor. Kinder unter drei Jahren sind zwar relativ häufig von Mittelohrentzündungen betroffen, haben dadurch aber nicht automatisch Sprachprobleme. Bei Kindern mit Sprachverarbeitungsproblemen wirken sich Hörminderungen jedoch besonders ungünstig aus. Deshalb solltest du das Hören deines Late Talkers immer überprüfen lassen.


Versteht dein Kind alles?


Die meisten Late Talker verstehen Sprache tatsächlich gut. 30 bis 40 % der Kinder haben aber zusätzliche Probleme beim Verstehen von Wörtern oder Sätzen. Leider werden Sprachverständnisprobleme im Alltag häufig übersehen. Nur ein standardisierter Sprachverständnistest kann sicher beurteilen, ob dein Kind Sprache ausreichend versteht oder nicht.


Bin ich der Grund für die Sprachentwicklungsverzögerung meines Kindes?


Nein, du als Elternteil bist nicht der Grund für die Sprachentwicklungsverzögerung.


Sprachstörungen sind genetisch bedingt. Bedeutet: Dein Kind kommt bereits damit auf die Welt. In den betroffenen Familien gibt es jedoch oft weitere Personen, die spät angefangen haben zu sprechen, andere Sprachprobleme oder eine Lese-Rechtschreibschwäche zeigen.


Trotzdem hast du großen Einfluss auf die Sprachentwicklung deines Kindes. Du bist unsicher, wie du die Sprachentwicklung deines Kindes fördern kannst? Dann buche dir jetzt eine persönliche Onlineberatung mit mir: Hier klicken & Termin buchen


Late Talker oder Late Bloomer? Wann fängt mein Kind an zu sprechen?
Ist mein Kind ein Late Talker ?

Gibt es einen Late Talker Test?

Ja, den gibt es.


Bei zweijährigen Kindern kann Fachpersonal feststellen, ob es sich um eine normale Abweichung oder um eine Sprachentwicklungsverzögerung handelt. Besprich deine Sorge deshalb mit deinem Kinderarzt. Innerhalb der U7 und U7a zwischen dem 20. und 24. Lebensmonat kann er den Wortschatz deines zweijährigen Kindes mittels einer Wortliste erfassen.


Eine Kinderlogopädin untersucht die Sprachentwicklung deines Kindes im Detail:

- den Wortschatz

- die Grammatik

- die Aussprache

- die pragmatischen Fähigkeiten

- das Sprachverständnis

- die Aufmerksamkeit

- das Spielverhalten

- das Symbolverständnis

- das allgemeine Kommunikationsverhalten

- die Interaktion zwischen dir und deinem Kind


Eine umfassende Diagnostik ist wichtig, um eine Sprachentwicklungsstörung z.B. von Autismus oder einer Verbalen Entwicklungsdyspraxie abzugrenzen.


Du fragst dich, ob dein Kind in seiner Sprachentwicklung verzögert ist? Hier gelangst du zum beliebten Sprachgold-Quiz, mit dem du einen Überblick über die Sprachfähigkeit deines Kindes gewinnst:


Wann wird mein Late Talker anfangen zu sprechen?


Die Entwicklung von Late Talkern verläuft unterschiedlich:

  • 1/3 der Kinder holt bis zum Alter von 3 Jahren den sprachlichen Rückschritt auf. Diese Kinder werden Late Bloomer (deutsch: Spätblüher) genannt.

  • 1/3 der Kinder gelingt das Aufholen bis zum 3. Geburtstag nur scheinbar. Mit 3 Jahren haben sie zwar einen viel größeren Wortschatz, es treten aber häufig andere Sprachprobleme auf – zum Beispiel im Umgang mit Lauten.

  • 1/3 der Kinder holt leider nicht auf. Sie haben dauerhaft Schwierigkeiten, neue Wörter zu lernen und zeigen Probleme in der Grammatik und/oder Aussprache. Ab dem 3. Lebensjahr spricht man von einer Sprachentwicklungsstörung (SES).


Oft wird angenommen, dass sich im Kindergarten alles auswachsen wird. Das ist leider falsch. Kinder mit Sprachstörungen haben Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen und neigen zu sprachbedingten Wutanfällen und anderen Verhaltensproblemen. Sie laufen Gefahr, schon früh die Außenseiterrolle einzunehmen. Ihr emotionales und soziales Wohl ist dadurch gefährdet.


Brauchen Late Talker eine Sprachtherapie?

Ob eine direkte Sprachtherapie notwendig ist, entscheidet sich nach der logopädischen Diagnostik. Late Talker benötigen mehr Hilfe beim Sprechen lernen und profitieren von besonderen Sprachlehrstrategien. Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist die Elternberatung und -anleitung.


Wie kann ich meinen Late Talker zuhause fördern?

Zahlreiche Studien belegen die positiven Effekte einer gezielten Sprachanregung durch die Eltern. Die Forschung zeigt auch, dass Eltern sprechauffälliger Kinder dazu neigen, ihr Verhalten gegenüber dem Kind unbewusst zu ändern. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht in der Kommunikation und das Kind wird in seiner Sprachentwicklung behindert.


Für Late Talker ist eine Sprachförderung im familiären Alltag daher von großer Bedeutung.


In meinen Sprachgold-Videokursen „Zeig mir, wie ich sprechen kann“ und „Lies mit mir“ zeige ich dir, wie du dein Kind effektiv in seiner Sprachentwicklung fördern und ihm das Sprechen erleichtern kannst. Du bekommst wissenschaftlich belegte Strategien und wertvolle Tipps.


Hier gelangst du zu den Videokursen:




Fazit

Late Talker haben ein erhöhtes Risiko, eine Sprachentwicklungsstörung auszubilden. 50 bis 70 % der Late Talker holen den Rückstand leider nicht auf. Als Elternteil kannst du dazu beitragen, dass dein Kind Sprechen lernt. Warte also nicht ab, sondern nimm den verspäteten Sprechbeginnn und geringen Wortschatz ernst. Es gilt: Je früher dein Kind Hilfe erhält, desto besser sind seine Entwicklungschancen.


Hier erfährst du mehr

In den Podcasts Kinderleibundseele von der Kinderärztin Dr. Nikola Klün und Dr. Mami Gesund und Glücklich vonKinderärztin Dr. Désirée Ratay haben wir ausführlich über das Thema Late Talker gesprochen.


Referenzen
  • Ginsburg, J. (2018): Why we shouldn't "wait and see" with Late Talking Toddlers.

  • Ellis EM & Thal, DJ. (2008): Early language delay and risk for language impairment. Prospect lang learn ed. 15 (3): 93-100.

  • Kühn, P., Sachse, S., Suchodoletz, W. v. (2016): Sprachentwicklung bei Late Talkern. Logos, 24, 256-264.

  • Desmarais, C., Sylvestre, A., Meyer, F., Bairati, I. & & Rouleau, N. (2008). Systematic review of the literature on characteristics of late-talking toddlers. International Journal of Language and Communication Disorders, 43(4), 361-389.

  • Hachul, C. (2015). Frühe Auffälligkeiten der Sprachentwicklung. In: S. Sachse (Hrsg.). Handbuch Spracherwerb und Sprachentwicklungsstörungen. Kleinkindphase. München: Elsevier, 81-100.

  • Horwitz, S.M., Irwin. J.R., Briggs-Gowan, M., Bosson Heenan, J.M., Mendoza, J. & Carter, A. (2003). Language delay in a community cohort of young children. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry, 43(8), 932-940.

  • Kauschke, C. (2017). Frühe Sprachauffälligkeiten. In: J. Siegmüller & H. Bartels (Hrsg.), Leitfaden Sprache, Sprechen, Stimme, Schlucken. 5. Auflage. München: Elsevier, 62-66.

  • Sachse, S. & Suchodoletz, W.v. (2007). Variabilität expressiver Sprachleistungen bei zweisprachigen Kindern erfasst mit dem ELFRA-2. Sprache-Stimme-Gehör, 31(3), 118-125

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