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Gibt es gute Kinderapps? Und wie beeinflussen digitale Medien die Sprachentwicklung?

Aktualisiert: 22. Feb.

Digitale Medien sind für Kinder faszinierend! Sie wachsen in einer Kindheit umgeben von Bildschirmen auf. Als Sprachtherapeutin und Therapiewissenschaftlerin erreichen mich immer viele Fragen rund Bildschirmmedien und die kindliche Entwicklung. Ein paar davon beantworte ich hier:

  • Was sind digitale Medien?

  • Wie beeinflussen digitale Medien die Entwicklung?

  • (Ab wann) dürfen Babys Fernsehen?

  • Wie lange darf ein Kleinkind pro Tag am Handy sein?

  • Welche Apps sind für Kinder zu empfehlen?

  • Ist Fernsehen für Kleinkinder schädlich?

  • Wie lernt mein Kind einen guten Umgang mit digitalen Medien?

  • Gibt es Tabellen und Empfehlungen zur Medienerziehung?

Was sind digitale Medien?

Zu digitalen Medien zählen alle Bildschirmmedien; Fernsehen, Video und digitale Bilder. Aber auch Musik, Hörspiele sowie Hörbücher. Also alles was wir über digitale Geräte wie Handy/ Smartphone, Tablet, Computer/ PC, Laptop, Fernseher, Radio sowie Hörboxen, konsumieren.


Chancen und Vorteile von digitalen Medien für Kinder

In den ersten 3 Lebensjahren nimmt dein Kleinkind seine Umgebung sehr stark wahr und möchte alles um sich herum entdecken. Kleinkinder imitieren und lernen schnell. Das gilt auch für die Nutzung von Smartphone, Tablet und Fernsehen. Es kommt dabei immer auf den Inhalt an: gute Spiele und Kinderapps, kurze Videos und Bilder können Kindern bei der Entwicklung geistiger Fähigkeiten helfen.


Sind Fernsehen, Tablet und Handy schädlich für mein Baby oder Kleinkind?

Bildschirmmedien können für Kinder auch gefährlich sein. Sind die Inhalte nicht altersentsprechend oder wird zu viel konsumiert ist das ein Risiko für die kindliche Entwicklung. Reizüberflutung und Überforderung sind möglich. Studien berichten von Einschlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Hyperaktivität als negative Folgen von übermäßigem Medienkonsum bei Kindern. Auch besteht eine Suchtgefahr. Um die schädlichen Auswirkungen möglichst gering zu halten, sollten Kinder bereits früh einen gesunden Umgang mit digitalen Medien lernen. Medienkompetenz will gelernt sein. Das erfordert Übung und gute Vorbilder.


Warum können digitale Medien die Entwicklung meines Kindes stören?

Babys und Kleinkinder lernen durch Eigenaktivität, durch Versuch und Irrtum, durch freies Spielen, durch Nachahmung und eben im direkten Kontakt mit anderen Menschen. Selbst zu sprechen und zu sich zu bewegen sind also sehr wichtig für eine gesunde Entwicklung! Das gehört zu den wichtigsten Ergebnissen moderner Hirnforschung: Alles was dein Kind tut, beeinflusst sein Gehirn! Der Hirnforscher Manfred Spitzer ist der Meinung, dass Babys und Kleinkinder unter 3 Jahren gar keine Bildschirmzeit haben sollten. Zeit vor dem Fernseher, Smartphone oder Tablet sei im Kleinkindalter verlorene Zeit.

Es ist ein großer Unterschied, ob zweijährige oder fünfjährige Kinder fernsehen! Das Gehirn verarbeitet die gesehenen Bilder ganz anders. Dein Kind kann im Alter von 3 Jahren immer noch mühelos den Zugang zur digitalen Welt finden. Sein Gehirn konnte jedoch bis dahin ungehindert und ungestört wichtige Grundlagen ausbilden, um dann mühelos höhere geistige Leistungen vollbringen zu können!


Bekommt mein Kind eine Sprachstörung durch Fernsehen, Tablet, Handy, YouTube und Co?

Fakt ist: Kinder können nicht über den Fernseher sprechen lernen! Das konnte in Experimenten gezeigt werden. Sprechen lernt man, indem man miteinander spricht!

Fakt ist auch: Je mehr Zeit Babys und Kleinkinder am Bildschirm verbringen, desto später lernen Sie sprechen! Sprache wird im Kontakt mit anderen Menschen gelernt, nicht passiv durch den Fernseher! Solche echten Interaktionen verkürzen sich, wenn man vor einem Bildschirm sitzt. Und damit eben auch zahlreiche Möglichkeiten zum Sprechenlernen. Eine kanadische Studie zeigte: Schon 30 Minuten Bildschirmzeit täglich erhöht das Risiko einer Sprachentwicklungsverzögerung um 49%! Ein ausgewogener Umgang mit digitalen Medien ist also sehr wichtig. Du solltest die Bildschirmzeit begrenzen und darauf achten, dass dein Kind noch genügend andere Aktivitäten ausüben kann.


Ab wann dürfen Kinder Fernsehen oder am Handy spielen?

Für den Medienkonsum für Kinder gibt es offizielle Tabellen und Empfehlungen.

Meine Empfehlungen für die Nutzung von Fernsehen, Tablet, YouTube, Smartphone, Spieleapps für Kinder resultieren aus meinem Wissen zur Sprachentwicklung und orientieren sich an den Richtlinien der American Academy of Pediatrics und dem Bundesministerium für Familie.


Fassen wir die Altersempfehlungen für digitale Medien für Kinder zusammen gilt:

  • Babys und Kinder unter 18 Lebensmonaten: keine Bildschirmmedien

  • Zweijährige Kinder: nicht länger als 15 Minuten täglich

  • Kinder im Alter von 3 Jahren, 4 Jahren und 5 Jahren: Begrenze die Nutzungszeit auf 30 Minuten bis maximal 1 Stunde pro Tag für hochwertige Programme!

Was sind gute Kinderapps und Kindersendungen?

Ja es gibt gute Apps und Fernsehsendung, bei denen dein Kind etwas lernen kann! Damit das gelingt, müssen die Kinderprogramme qualitativ hochwertig sein. Dazu zählt u.a. ein altersgerechter Inhalt, werbefrei und zeitlich begrenzbar. Auch sprachlich gibt es einiges zu beachten. Ein Beispiel für eine gute Kinderapp ist "Schlaumäuse-Wörtersee" und eine zu empfehlende Kindersendung "Mouk der Weltreisebär". Woran du gute Lernapps erkennst, lernst du im Sprachgold-Medienworkshop. Ich habe viele Kinderapps sowie Sendungen auf Youtube, Netflix und co unter die Lupe genommen und dir eine umfangreiche Liste an guten Spieleapps und Kinderserien zusammengefasst. Dort gehe ich auch ausführlich auf Hörspiele ein.