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Hörspiele für Kinder

Aktualisiert: März 31

Laut einer bundesweiten EMNID-Umfrage des audiblemagazins wachsen rund 91 % der Kinder zwischen 3 und 8 Jahren in Deutschland mit Hörspielen auf. Wie sprachförderlich sind Hörspiele und Hörbücher wirklich? Was sollten Eltern beachten? Und wo liegen die Grenzen bzgl. Alter, Zeitlimit, Häufigkeit und Themen?

Vorteile von Hörspielen

Das gesprochene Wort, also echte Gespräche und Interaktionen sind für die kindliche Entwicklung essentiell! Das bestätigen Studien seit langem! Anders als beim passiven Fernsehen werden dem Kind beim Hörspiel keine vorgefertigten Bilder passend zur Geschichte präsentiert. Das Kind muss sich auf das gesprochene Wort fokussieren, denn die Geschehnisse und Figuren werden nur beschrieben. Es muss eigene Vorstellungen und Bilder aufbauen. Das Format der Hörspiele schult also den auditiven Sinneskanal und fördert Fantasie, Kreativität, Vorstellungskraft und die Konzentration. Studien an Vorschulkindern konnten zudem aufzeigen, dass bereits 3-4 jährige Kinder neue Worte durch die Nutzung von Hörspielen lernen konnten. Die Hörspiele werden in der Regel mehrfach, z. T. bis zu 100 Mal, gehört. Und Wiederholung ist essentiell für das Sprachlernen! Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass eine unterhaltsame Gestaltung von Hörspielen eine aufmerksamkeitsfördernde Funktion ausübt. Hörspiele können auch schwierige Themen bzw. für Kinder schwer greifbare Situationen bearbeiten, wie z.B. Geschwisterchen, Verantwortungsbewusstsein, Freundschaft, Wut, Eifersucht, Verlust, Teilen, Zähneputzen, Konfliktlösungen aller Art. Hörspiele können daher nicht nur als begeisternde Geschichten gehört werden, sondern auch erklärend, beruhigend, Mut machend oder tröstend wirken und Werte vermitteln.


Wie sollte ein Hörspiel aufgebaut sein, damit es sprachförderlich ist?


Kleinkinder profitieren vorallem dann, wenn der Inhalt der normalen kindlichen Interaktionserfahrung ähnlich sind und sie ihre Lebenswirklichkeit widerentdecken können.

Direkte Rede bzw. ein Erzähler, der auch die Kinder direkt anspricht ist gut. Denn solche interaktiven Sprechsituationen haben einen hohen Aufforderungscharakter. Hilfreich ist außerdem eine klare Handlungsstruktur. Die Gespräche in sich sollten zusammenhängend aufgebaut sein und inhaltliche Bezüge zueinander ermöglichen.

Die Verwendung einer angemessenen Sprache ist wichtig. Es sollte also nicht zu schnell gesprochen werden, da einzelne Wörter für Kinder sonst schwer zu trennen und damit im Sprachstrom zu erkennen sind. Der gesamte Wortfluss und die Betonung sollten kindgerichtet sein und nicht an reine Erwachsenensprache erinnern. Das sprachliche Angebot des Hörspiels sollte also dem Niveau der sprachlichen Entwicklung angepasst sein. Gerade für Höranfänger (2-3 Jahren) sollten die Geschichten nicht zu lang und komplex sein.

Eltern sollten auch unbedingt auf die Lautstärke achten und diese nicht überschreiten!

Unterschiede zwischen Hörspiel und Hörbuch


Bei einem Hörbuch wird von einem SprecherIN eine Geschichte „vorgelesen“. Bei einem Hörspiel hat jede Figur einen eigenen Sprecher und wir erleben mehr Aktion.

Das Hörspiel hat den Vorteil, dass wir mehr direkte Rede haben und Szenen mit 2-Personen-Gesprächen erleben. Solche dyadischen Interaktionen bieten viele wichtige sprachliche Marker. Hat ein Protagonist eine eigene Stimme, kann ich ihn besser zuordnen und leichter inhaltliche Bezüge herstellen. Zudem sind formale Merkmale wie Musik und Geräusche nützlich, weil sie die Aufmerksamkeit optimieren. Und macht das Hörspiel Spaß, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es weiteres Mal angehört wird und sich somit die positiven Wiederholungseffekte einstellen. Ich persönlich würde einem Hör-buch die „echte“ Bilderbuchsituation mit Mama und Papa vorziehen. Denn hier kann ich als Vorlesende mein Kind beobachten; kann es dem Text folgen, wie ist seine Aufmerksamkeit usw. Und mich dann individuell an mein Kind anpassen und in Interaktion treten. Es hängt natürlich auch vom Kind, seinem Alter und der Situation ab.


Hörspiele - sinnvoll und bereichernd?

Ab welchem Alter sind Hörspiele sinnvoll?


Ab wann? Die Altersuntergrenze liegt bei 2 Jahren. Jüngere Kinder haben weder das notwendige Vokabular noch das Verständnis für die Zusammenhänge einer Geschichte, deren Bilder sie dazu in ihrem Kopf kreieren sollen. Babys sollten also nicht mit Hörspielen konfrontiert werden! Generell gilt, je kleiner ein Kind desto kürzer kann es sich auf ein Hörspiel konzentrieren.


Wie lange und wie häufig? Der individuelle Entwicklungsstand deines Kindes ist ausschlaggebend: Wie lange kann es sich konzentrieren? Wie hoch ist seine Aufmerksamkeitsspanne? An welchen Themen ist es interessiert? Beobachte Dein Kind, wie nimmt es die Geschichten auf und verarbeitet sie? Passe dann die Länge und Häufigkeit an das Alter Deines Kindes an.

Generell gilt: Hörspiele sollten nicht als Babysitter angesehen werden. Auch bei Hörspielen ist auf die Nutzungsdauer zu achten. Ständiges Hören und eine dauerhafte Geräuschkulisse im Kinderzimmer sollte vermieden werden! Auch Langeweile muss von Kindern erfahren und erlernt werden. Hörspiele sollten auch nicht als Einschlafhilfe fungieren. Beim Einschlafen sollen sich Gehirn und Geist entspannen und abschalten.


Ist Buchzeit mit Hörspielzeit gleichzusetzen?


Hörspiele sollten die Buchzeit nicht ersetzen, lediglich ergänzen! Bei kleineren Kindern ist das Vorlesen bzw. dialogische Lesen besonders wichtig und viel tiefgehender und nachhaltiger als bei Hörspielen. Hörspiele werden im Vergleich zu Büchern, mit weniger Sinnen erlebt. Beim Hörspiel wird nur gehört, beim Buch kann man auch anfassen und sehen. Innehalten, Momente der Geschichte nachwirken lassen, darüber sprechen, zwischendurch Fragen stellen und beantworten, ist beim Hörspiel schwierig. Auch kann das geschriebene Wort vom Kind nicht aufgenommen werden. Gerade Schulkinder sollten auch Zeit zum Selberlesen haben! Denn im Hörspiel können sie keinen eigenen Leserhythmus entwickeln; die Geschichte läuft von selbst weiter. Eine einzigartige Möglichkeit dein Kind sprachlich und kognitiv zu fördern ist das Dialogische Lesen!

Hörspiele - Ideen, Tipps und Empfehlungen für Eltern

Die Auswahl der Hörspiele sollte stets an den jeweiligen Sprachstand des Kindes und seinen Interessen angepasst sein. Eltern sollten präsent sein und die Nutzung begleiten. Das heißt konkret: sich die Hörspiele kurz selbst anhören und entscheiden, ob die Geschichte mit allen Facetten für das Kind altersgerecht erscheint. Das Hörspiel gemeinsam mit dem Kind anhören und danach ausführlich darüber sprechen. Hat dein Kind alles verstanden? Es können Begriffe erklärt werden. Stelle Fragen, z.B. Was ist passiert? Was war aufregend, schön oder komisch? Ermutige Dein Kind die Geschichte in eigenen Worten nachzuerzählen. Szenen können nachgespielt, Lieder nachgesungen und die Handlungen weitergesponnen werden. Vielleicht möchte Dein Kind auch einmal ein Bild der Geschichte malen oder basteln. Nutze auch die Gelegenheit, um über die Stimmungen und Bedürfnisse Deines Kindes zu sprechen und Bezüge zu seiner eigenen Lebenswirklichkeit herzustellen.

Bei meiner Recherche bin ich auf die tigerbox TOUCH, deren Streamingdienst tigertones und die wildcards gestoßen. In der online Hörspielwelt gibt es über 6.000 Hörbücher, Hörspiele und Musik zum Streamen und Downloaden. Die Box ist hochwertig und robust und die Bedienung einfach. Kinder wählen ihr Hörspiel anhand von Albumcovern aus. Ein Touch auf den Display, und los geht der Hörspaß. Für mich ein klarer Pluspunkt: die Eltern können die Hör-Dauer per App oder direkt über die Box einstellen. So kann man gemeinsam mit dem Kind Zeit-Absprachen treffen und eine Nutzung in Dauerschleife vermeiden. Auch können die Eltern einstellen, was als Download zur Verfügung steht und was nicht. Das geht ebenfalls ganz einfach per App: Du setzt eine Altersschranke und wählst Themenwelten aus. So lassen sich die Inhalte an den Entwicklungsstand des Kindes anpassen. Klasse finde ich auch die Offline-Funktion: Hörspiele lassen sich direkt auf der Box speichern, dann kann die Box auch mobil mitgenommen werden. Pädagogisch bereichernd sind für mich als Therapeutin auch die selbst bespielbaren Leerkarten ("Wildcards"), denn hier ergeben sich viele sprachförderliche Einsatzmöglichkeiten für die Therapie und die Elternberatung- und Anleitung zu Hause.


Eine kleine Auswahl für pädagogisch und sprachlich sinnvolle Hörspiele:

  • Für Höranfänger: Liederhörbücher; z.B. der Karneval der Tiere, die Eule mit der Beule etc. . Denn Rhythmus und Reime fördern die Spracherkennung und es macht Spaß das Gehörte mit Bewegungen zu verbinden.

  • Geschichten von Bobo Siebenschläfer

  • Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab? Neue Geschichten zum Kuscheln und Lauschen

  • Der Dachs hat heute schlechte Laune!

  • Der Regenbogenfisch

  • Geschichten der kleinen Hexe Lisbet

  • Geschichten von Conni

  • Geschichten von Pettersson und Findus

  • Der Grüffelo

  • Jim Knopf

  • Das Waldhotel

  • Wieso? Weshalb? Warum? - Reihe


Solltest du eine individuelle Beratung, Tipps und Hilfe bzgl. digitaler Medien und Sprachentwicklung bzw. Sprachförderung benötigen, dann kontaktiere mich gern! Gemeinsam besprechen wir sprachförderliche Möglichkeiten und Grenzen digitaler Medien für Eure individuelle Situation!

Quellen:

Niebuhr-Siebert S, Ritterfeld U. Hörspielbasierte Sprachlerneffekte bei Vorschulkindern. Sprache · Stimme · Gehör 2012; 36: e11–e18

http://www.lernwerk.de/service.html

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/medien/medienarten/hoermedien/

http://www.hoerbuchsiegel.de

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