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Die Wahrheit über das Daumenlutschen

Aktualisiert: Juni 29

"Toll, er hat seinen Daumen gefunden und beruhigt sich damit selbst. Oh, aber wird das seine Sprachentwicklung verzögern? Führt das zu Kiefer- und Zahnfehlstellungen? Oh Gott, wie gewöhnen wir ihr das nur wieder ab?" Kommt Dir das bekannt vor?

Die Wahrheit ist: hat Dein Baby seinen Daumen gefunden musst Du dir noch keine Sorgen machen. Säuglinge werden mit dem Bedürfnis zu saugen, geboren. Saugen ist ein natürlicher Reflex, der Babys und Kleinkindern ein Gefühl der Sicherheit gibt. Auch nicht-nahrhaftes Saugen setzt Endorphine frei, die beruhigend wirken & Stress reduzieren. Ausführliche Informationen hierzu findest Du auch in diesem Beitrag.


Schauen wir uns die Vor- und Nachteile des Daumenlutschens etwas genauer an:


Ich möchte Dir als Sprachtherapeutin, die hunderte von betroffenen Kindern behandelt und als Kind selbst lange am Daumen gelutscht hat, Folgendes sagen: Es ist okay, dass dein Baby am Daumen saugt ... NOCH. Aber spätestens ab dem zweiten Geburtstag wird es Zeit das Daumenlutschen einzustellen, um langfristige Folgen zu vermeiden!


Der Daumen ist eine harte Struktur und übt damit deutlich stärkeren Druck auf Kiefer, Gaumen & die Zähne aus, als der Schnuller. "Daumenlutscher" nuckeln zudem länger als Schnullerkinder und können das "Laster" nur schwer ablegen, denn der Daumen ist theoretisch immer verfügbar.


Untersuchungen zeigen, dass solche oralen Gewohnheiten, wie Finger- und Daumenlutschen die Mundmotorik sowie die sprachliche Entwicklung eines Kindes negativ beeinflussen (dazu gehört übrigens auch der Schnullergebrauch; siehe folgender Artikel). Und je länger Dein Kind seinen Daumen als treuen Begleiter erlebt, desto gravierender sind zumeist die kieferorthopädischen & sprachlichen Folgen und desto schwieriger wird es auch, diese "schlechte" Angewohnheit wieder abzugewöhnen. Pass´ also auf, dass aus einem vorübergehenden Bedürfnis keine schlechte Angewohnheit wird!

Hier sind ein paar Tipps, um das Daumenlutschen einzustellen:


  1. Arbeite zuerst daran, das Daumenlutschen während der Wachzeit zu beseitigen!

  2. Setze Deinem Kind klare Ziele. Fange klein an & machensie erreichbar. Zum Beispiel: "Im Auto/ beim Hörbuch/TV nicht am Daumen lutschen."

  3. Wenn Dein Kind den Daumen zum Einschlafen nimmt; ziehe ihn vorsichtig heraus, wenn es eingeschlafen ist.

  4. Erinnere Dein Kind konsequent auf sanfte und liebevolle Weise daran, den Daumen aus dem Mund zu nehmen. ("Ups. Ich sehe den Daumen. Nimm ihn lieber raus, er tut deinen Zähnen nicht gut ...").

  5. Vermeide es, Dein Kind wegen des Daumenlutschens zu schelten bzw. es zu bestrafen. Überlege stattdessen, welches Bedürfnis dahinter steckt (Nähe, Müdigkeit, Langeweile etc.) und schaffe eine Alternative. Binde Dein Kind ein: frage z.B., warum es gerade am Daumen gelutscht hat. Erkläre warum es so wichtig ist, dies nicht zu tun. Frage Dein Kind, ob es selbst Ideen hat, wie es das Daumenlutschen vermeiden könnte.

  6. Wertschätzung: Erkenne an, wenn Dein Kind es schafft nicht am Daumen zu saugen. ("Ich habe gesehen, dass du heute/eben/beim xx deinen Daumen nicht gebraucht hast. Und wie stolz du darauf bist, dass du das geschafft hast! Das freut mich sehr.")

  7. Biete Deinem Kind eine visuelle Hilfe z.B. eine Daumen-Tabelle (Sonne für "kein Daumen benutzt" vs Wolken "Daumen im Mund" etc.) und einen Anreiz wie einen Aufkleber oder ähnliches, wenn die Sonnen in der Woche überwogen haben.

  8. Biete Ersatzaktivität an: Beispiel: Wenn Dein Kind Beim Autofahren am Daumen saugt, biet ihm ein Buch oder ein Spielzeug an, um seine Hände zu beschäftigen.

  9. Im Notfall gibt es diverse Hilfsmittel; Cremes, Tinkturen, Hand-Stopper (Tapes, Handschuhe, Bänder ...) etc.

  10. Je nach Alter kannst Du Deinem Kind Bücher, Bilder, Videos zeigen, um die Folgen des Daumenlutschens zu erklären (Zahn- und Kieferfehlstellungen, Zahnspangen etc.).


Wenn Du das Gefühl hast, dass die Aussprache (verwaschen & undeutlich; "lispeln") oder die orofaciale Entwicklung (u.a. kein Mundschluss, Zahnfehlstellung, schlaffe Gesichtsmuskulatur, Probleme beim Kauen & Schlucken, fehlende Nasenatmung) Deines Kindes beeinträchtig sind, dann wende Dich an den Kinderarzt oder Zahnarzt.


Ich helfe Dir, wenn es um das Erkennen solcher Probleme geht, berate Dich zum weiteren Vorgehen und leite Dich & Dein Kind zu Übungen an, um das myofunktionelle Gleichgewicht wieder herzustellen.


Tipp: Mit Irina Kaiser, Stillberaterin und zertifizierter Babyschlafcoach, (www.babyschlafschule.de) habe ich ausführlich über das Thema Schnuller & Daumen in einem Video-Interview gesprochen. Du kannst dir das Interview HIER ansehen.

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