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Mundatmung: Warum Eltern handeln sollten, wenn ihr Kind durch den offenen Mund atmet!

Aktualisiert: Aug 26

Es ist doch egal, ob durch die Nase oder durch den Mund geatmet wird, solange man nur gut Luft bekommt oder? Leider nicht! Die Art wie Ihr Kind atmet, hat einen großen Einfluss auf seine Gesundheit & körperliche Erscheinung. Atmen, Kauen, Schlucken & Sprechen - die Basis für eine gesunde Entwicklung ist die Nasenatmung und der geschlossene Mund!


Mundatmung oder Nasenatmung

Bei der typischen Atmung strömt die Luft durch die Nase. Dort wird sie angewärmt und gereinigt, bevor sie unsere Brochien und die Lunge passiert.

Wenn wir durch den Mund atmen, umgehen wir den natürlichen Filterapparat zur Luftreinigung, Anfeuchtung, Anwärmung und beanspruchen dadurch stärker den Rachen, die Bronchien, die Lunge, das Herz - wegen des Vorhandenseins kleiner Staubteilchen in der Luft. Außerdem ist die Sauerstoffsättigung bei Mundatmung 10-15% niedriger als bei der Nasenatmung.


Ursachen der Mundatmung - Warum atmen Kinder durch den Mund?

Mundatmung wird im allgemeinen verursacht durch vergrößerte Adenoide (Rachenmandeln), Tonsillen (Mandeln) unterentwickelte Nasenhöhlen, Nasenpolypen eine schiefe Nasenscheidewand oder Allergien.


Doch die Mundatmung kann auch erworben sein!

Dann liegt meist ein Ungleichgewicht der Muskeln und Muskelgruppen im Gesichtsbereich (vor allem Zungen- und Lippenmuskulatur, aber auch weiterer Gesichtsmuskulatur) vor, wodurch der Lippen/Mundschluss beeinträchtigt wird.


Bereits im Säuglings- uns Kleinkindalter kann die Ursache für so ein orofaciales Muskelungleichgewicht liegen. Beispielsweise durch ein verkürztes Zungenbändchen, zu lange, breiige Ernährung, ein zu großes Saugloch in der Flasche etc.. Vor allem Habbits wie das Schnullern, Daumenlutschen, zu langes bzw. dauerhaftes Nuckeln an der Flasche spielen eine Rolle. Auch werden Zusammenhänge zwischen mangelnder ganzkörperlicher Bewegung, Fehlhaltungen, zu wenig Körperspannung etc. im Kindesalter diskutiert.


Folgen der Mundatmung

Durch den Mund zu atmen, kann auf Dauer - insbesondere bei Kindern- die Gesundheit gefährden. Da die Luft ungefiltert in den Organismus strömt, erhöht sich das Risiko für Hals-Nasen-Ohren-Infekte (z.B. häufig Mandelentzündungen, Mittelogrentzündungen); dauerhafte Mundatmer sind beispielsweise häufiger erkältet.


Im Schlaf kann das Atmen durch den Mund zu unerholsamen Schlafzuständen führen. Schlafprobleme können langfristig motorische Unruhe, Tagesmüdigkeit, Abgeschlagenheit & eine verringerte Leistungsfähigkeit bzw. Konzentrationsprobleme begünstigen.

Dauerhafte Mundatmung kann auch zur Senkung des Sauerstoffgehalts im Blut führen. Das wiederum kann eine Rolle bei der Entstehung oder Verschlechterung von Herzkreislauferkrankungen spielen.


Zudem kann die Mundatmung Gesichtsveränderungen hervorrufen; betroffene Kinder haben häufig eine verlängerte, verschmälerte Gesichtsform mit schlaffer Mimik. Die Lippen sind oft rissig und trocken, die Mundecken wund.


Zudem entstehen Kiefer- und Zahnfehlstellungen, die eine kieferorthopädische Behandlung notwenig machen (Zahnspange). Auch leiden die Kinder häufiger unter Karies.

Fast 20% der Zahnfehlstellungen werden durch ungesunde Angewohnheiten verursacht!


Weiterhin können durch die veränderte myofunktionelle Muskulatur Sprechauffälligkeiten wie Artikulationsstörungen, entstehen.


Die #Mundatmung ist häufig Ausdruck einer Myofunktionellen Störung.


Was ist eine Myofunktionelle Störung?

Die #myofunktionelleStörung ist durch ein Muskelungleichgewicht vor allem der Zungen- und Lippenmuskulatur, aber auch der weiteren Gesichtsmuskulatur gekennzeichnet.

Typische Symptome sind:


  • hypotone (Gesichts)Muskulatur

  • verkürzte Oberlippe

  • fehlender Lippenschluss, eingerissene & entzündete Mundwinkel

  • Mundatmung

  • Zungentiefstellung

  • Einschränkung der myofunktionellen Muskultur hinsichtlich Koordination, Kraft & Beweglichkeit

  • infantiles = nach vorne gerichtetes Schluckmuster ("Zungenpressen"/tongue thrust)

Mögliche Folgen einer unbehandelten Myofunktionelle Störung sind:

  • Artikulationsstörungen:

  • Kiefer-/Zahnfehlstellungen- und Kiefergelenksprobleme 

  • Aufgrund des Pressens/Reibens der Zunge am Zahnfleisch kann Parodontopathie entstehen

  • in Folge der Mundatmung: höheres Infektionsrisiko, Schlafprobleme & damit verbunden ein allgemeiner Leistungsabfall


Schauen wir uns die Zusammenhänge etwas genauer an:

Die Ruheposition der Zunge ist von besonderer Bedeutung. Wenn die Zunge "still" ist, legt sie sich normalerweise hinter den oberen Schneidezähnen am harten Gaumen an. Dort setzt Sie ihre formenden Kräfte ein und steht unter einer muskulären Grundspannung. Bei der Mundatmung hingegen liegt die Zunge am Mundboden. Ihre Formgebene Wirkung am Gaumen fehlt, was einen engen, hohen & schmalen Oberkiefer mit abnormer Stellung der (Front-) Zähne verursachen kann.


Die Zungentiefstellung führt zudem dazu, dass die Lippen in der Regel nicht geschlossen werden, was wiederum eine hypotone Lippen- und Wangenmuskulatur begünstigt und auch Auswirkungen auf die Kauleistung und das mimische Aussehen hat („schlaffe, traurige Mimik“).


Der Zunge fehlt die nötige muskuläre Kräft und sie drückt beim Schlucken gegen die Zähne (= infantiles Schluckmuster). Der Mensch schluckt bis zu 2000 Mal am Tag! Pro Schluckvorgang wirkt durch den Zungendruck eine Kraft von 2 - 3 kg gegen die Zähne. Die Folge ist meist ein frontal offener Biss.


Ebenso können durch das Fehlen von Kraft, Bewegunglichkeit & Koordination der am Sprechen beteiligten Muskeln, Artikulationsstörungen resultieren, wie beispielsweise Lautbildungsfehler bei /S/, /SCH/, /CH/, /L/, /N/, /T/, /D/.


Mein Kind atmet durch den Mund - Was ist zu tun?

Beobachten Sie Ihr Kind:

  • Atmet es schon länger durch den Mund?

  • Hat es Speichel in den Mundecken?

  • Sind Lippen trocken, entzündet, die Mundwinkel eingerissen?

  • Ist es häufig erkältet oder hat andere HNO-Infekte?

  • Hat es Zahnfehlstellungen?

  • Bildet Ihr Kind bestimmte Laute nicht korrekt?

  • Ist die Zunge beim Sprechen und/oder Schlucken zw. oder an den Zähnen zu sehen?

  • Isst ihr Kind mit offenem Mund und produziert beim Kauen und Trinken Schmatzgeräusche?

  • Bevorzugt es eher weiche Konsistenzen?

  • Gab/ Gibt es Probleme beim Stillen/ Saugen/ Kauen?


Nutzen Sie regelmäßige Besuche beim Zahnarzt & HNO-Arzt, um mögliche Ursachen einer bestehenden Mundatmung abzuklären. Bei strukturellen Ursachen kann der Arzt helfen. Beispielsweise können Nasenpolypen, geschwollene Tonsillen oder Adenoide, operativ entfernt werden. Gibt es strukturelle Verengungen im Mund- und Gesichtsbereich können Erweiterungsapparaturen angewandt werden, um z.B. die Nasenpassagen zu erweitern.


In vielen Fällen kommt es nach einer Behebung der Ursache zur gewünschten Nasenatmung - was aber nicht heißt, dass sich die orofaciale Muskutur auch von allein normalisiert! Hier können dann bestimmte therapeutische Übungen helfen. Beispielsweise eine #MyofunktionelleTherapie. Dabei werden Tonus, Kraft, Beweglichkeit & Koordination der Zungen- und Gesichtsmuskulatur trainiert bzw. normalisiert. Die Kinder erlernen Techniken für die korrekte Atmung, Zungenruhelage am Gaumen, die richtige Hals und Kopfhaltung und ein physiologisches Kau- und Schluckmuster. Die Logopädin gibt auch Hilfestellung beim Abbau bestehender Verhaltensmuster (Lutschgewohnheiten, Nägel kauen usw.).


Sollten Sie Ihr Kind in den geschilderten Symptomen wiedererkennen, weitere Fragen haben und/oder nach konkreten Tipps, Hilfestellungen und spielerischen Übungen für zu Hause suchen, kontaktieren Sie mich gern! In meiner Elternberatung helfe ich Ihnen weiter!

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