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Trinklernbecher für Babys und Kleinkinder - was Eltern bei der Verwendung beachten sollten

Aktualisiert: Nov 11

Auslaufsichere Trinkbecher sind praktisch! Deshalb wurden sie ja auch erfunden: Ein Ingenieur hatte es satt, dass sein Kleinkind, Saft auf dem Teppich verschüttete und der Rest ist Geschichte.


Als Sprachtherapeutin muss ich leider Folgendes sagen: Trinklernhilfen sind für Eltern gut, auf Dauer aber NICHT für Kinder. Ein übermäßiger Gebrauch dieser Becher, insbesondere mit hartem Ausgießer, kann die Gesichtsstruktur, die orofaciale Entwicklung und das Sprechen beeinträchtigen.


Wie schlucken Babys und Kinder?


Während des ersten Lebensjahres schluckt ein Baby, in dem es die Zunge vor- und zurück schiebt. Man nennt dieses typische Säuglingsschlucken „infantiles Schlucken“.


Normalerweise wird dieses Schluckmuster mit dem Abstillen von der Brust, dem Anbieten eines Bechers zum Trinken und der Gabe von fester Nahrung, Stück für Stück umgestellt.

Ca. ab 12 Lebensmonaten entwickelt dein Baby ein ausgereiftes Schluckmuster, bei dem die Zungenspitze am Zahndamm (Erhebung hinter den oberen Schneidezähnen) anliegt, um von dort aus eine wellenartige Bewegung auszuführen.

Ein rechtzeitiger Übergang zum richtigen Schluckmuster ist wichtig! Je länger ein Kind ein unreifes Saugmuster zeigt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Schlucken dauerhaft fehlerhaft bleibt. Dies kann die Kiefer-, Zahn- und Sprechentwicklung negativ beeinflussen.

Eigenständige Trinken lernen - was Eltern tun können

Risiken für die Sprachentwicklung und Mundgesundheit: Was passiert beim Trinken aus einem Trinklernbecher?


Zu langes Trinken aus einer Flasche oder einem Trinklernbecher die Entwicklung des richtigen Schluckmusters beeinträchtigen, denn: der Ausgießer im Mund verhindert, dass die Zungenspitze an den Gaumen„andocken“ kann und zwingt das Kind, seine Zunge weiter nach vorne und unten zu drücken. Das Saugen am Auslauf hat nichts mit einem ausgereiften Schlucken zu tun und wird spätestens beim Essen von fester Nahrung ineffizient.


Die Zungentiefstellung (Zunge liegt unten und weiter vorn im Mundraum) macht die Zungenmuskulatur auf Dauer schlaff, was sie wiederum in ihrer Beweglichkeit einschränkt.

Wenn die Zunge vorn im Mundboden ruht, senkt sich zudem die Kiefermuskulatur ab und führt typischerweise zu einer offenen Mundhaltung und zur Mundatmung. Das wiederum hat u.a. Einfluss auf die Lippen- & Wangenmuskulatur und kann die gesamte Gesichtsentwicklung verändern. Erkennst Du dein Kind wider? Ich habe einen ausführlichen Artikel über die Risiken dauerhafter Mundatmung verfasst.


Leider ist die Geschichte noch nicht zu Ende; all diese myofunktionellen Veränderungen können nämlich auch die Sprach- und Sprechentwicklung behindern, denn zur Bildung von Sprachlauten, benötigen wir eine präzise arbeitende Mundmotorik! "Lispeln" ist eine häufige Folge, aber neben dem /s/ können auch andere Laute betroffen sein.


Und hier sind noch zwei weitere wichtige Fakten zu diesem Thema: 1) Durch die ständige Umspülung der Zähne mit Allekohlenhydrat- oder säurehaltigen Flüssigkeiten, Saft oder gesüßter Tee, entsteht Karies und die Zähne werden geschädigt („Nursing-Bottle-Syndrom“ bzw. "Nuckelflaschen-Syndrom"). 2) Statistisch gesehen verletzen sich Kinder mit harten Trink- oder Schnabelbechern häufiger im Gesicht! Wahrscheinlich, weil sie mit dem Becher im Mund herumlaufen. Ein Stolpern kann zu schweren Verletzungen im Mund und Gesicht führen.


Was Eltern tun können - Tipps für den Alltag


Im Besten Fall; versuche die praktischen Begleiter zu meiden! Denn der physiologische Übergang von Brust/Flasche besteht ohnehin darin zu lernen, aus einer offenen Tasse zu trinken. Hast du Dein Kind gestillt, solltest Du es gar nicht mehr an die Flasche gewöhnen, sondern möglichst gleich an Becher oder Tasse. Hat Dein Baby von Anfang eine Milchflasche bekommen hat, biete alle anderen Getränke konsequent im zweiten Lebensjahr nur in der Tasse oder im Becher an. Hier findest du eine Schritt für Schritt Anleitung wie du Dein Baby und Kleinkind sanft von der Falsche entwöhnen kannst.


Seitliches Schlürfen aus einer Tasse fördern auf natürliche Weise eine erhöhte Zungenlage. Du kannst die Tasse anfangs halten, um das Verschütten zu begrenzen. Schnapsgläschen oder Espressotassen eignen sich prima; sie sind für das Kind leichter zu händeln und all zu viel Flüssigkeit kann nicht daneben gehen :) Oder nutzt einen Trinkhalm. Hier solltest du den Strohhalm anfangs kürzen, damit Dein Kind nur seine Lippen darum legen, aber seine Zunge nicht darunter verankern kann. Hier findest Du eine Auswahl an empfehlenswerten Bechern.


Wenn ihr bereits einen Trinklernbecher in Benutzung habt, nutzt ihn wohldosiert. Beispielsweise nur wenn ihr unterwegs seid. Eine gelegentliche Verwendung wird die altersgerechte Mundentwicklung nicht beeinträchtigen. Aber achte darauf, dass der Schnabel/ Ausgießer weich und nicht hart ist. Spätestens ab dem 18. Lebensmonat wird es Zeit die Trinklernhilfe loszuwerden, sonst manifestiert sich das falsche Schluckmuster.


Gut zu Wissen: Bei Kinder mit besonderen medizinischen Bedürfnissen sieht das natürlich anders aus! Sie benötigen möglicherweise genau so einen Ventilbecher oder andere Hilfsmittel. Hier stehen Selbstständigkeit und Teilhabe an erster Stelle. Eine gute Logopädin wird das beste Gefäß für die Bedürfnisse Deines Kindes finden!


Ich hoffe die Informationen helfen Dir, einen ausgewogenen & achtsamen Umgang mit den Trinklernbechern zu finden!


PS. Die beschriebenen Risiken und Folgen können auch auf Kinder zutreffen, die über einen längeren Zeitraum an Schnuller oder Daumen nuckeln.

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